Hochbehälter Zweibrücken

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Wertvolles Schützen

Ohne Wasser kein Leben, ohne Wasser kein überleben. Das Bedürfnis nach dem Grundnahrungsmittel haben alle Menschen gemeinsam: Der Zugang zu Wasser ist ein Grundrecht. Als kostbarstes Gut soll es (auf)bewahrt und geschützt werden. Vor diesem Hintergrund findet der Hochbehälter Galgenberg seinen Gebäudeausdruck.

Am Dreiländer-Punkt Rheinland-Pfalz, Saarland und Frankreich befindet sich die Stadt Zweibrücken, eine Kleinstadt ohne Fluss in direkter Umgebung. Um die Stadt mit Trinkwasser versorgen zu können, müssen die Stadtwerke Zweibrücken Wasser aus großer Tiefe fördern und zu hoch gelegenen Verteilerpunkten pumpen. Die Stadtwerke verfügen dazu über mehrere Brunnen, deren Fördermengen sehr unterschiedlich sind. Um einen konstanten Wasserdruck zu erzeugen, wird das Wasser in höher gelegene Behälter gesammelt und von dort aus in das Trinkwasser-Verteilernetz eingeleitet.

Der alte, 400m-Wasser fassende Hochbehälter am Galgenberg ist in die Jahre gekommen und musste ersetzt werden. Der neue Behälter sollte zwei Wasserkammern mit jeweils einem Volumen von etwa 600 m vorhalten, damit auch im Wartungsfall der Hochbehälter in Betrieb bleiben kann. Konzeptionell stellte sich zunächst die Aufgabe, eine nachhaltige und effiziente Anlage mit minimalem Fußabdruck zu entwerfen, die sich in die Umgebung einfügt und dem Maßstab und der Formensprache der umliegenden landwirtschaftlichen Liegenschaften folgt.

Versuchte man in früheren Zeiten das Lebenselixier Nr. 1 aus Sicherheitsgründen eher aus dem Fokus zu rücken, so glauben wir, sollte man heute diese gesellschaftlich wichtige Aufgabe sichtbar gestalten. Ersteigt man den Galgenberg, nimmt man das Gebäude zunächst über die rautenförmige metallbekleidete Fassade wahr. Sie wirkt größer, als sie tatsächlich ist. Die Fassade spielt ein optisches Spiel mit unserer Sehgewohnheit, die weiter entfernte Objekte kleiner wirken lässt. Wehrhaft stellt sich die Fassade vor die Anlage, die gut getarnt größtenteils unter der Erddecke liegt und die nur in Konturen spürbar ist. Die landwirt-schaftlichen Gebäude in unmittelbarer Umgebung werden auch in das Spiel der Tarnung einbezogen. Ihre sichtbaren Giebelspitzen finden sich in der rautenförmigen Fassade wieder. Die Abwehr von Angst, eine primitiven Anforderung von Architektur, bestimmt den Ausdruck der Anlage. Der Schlitz in der Fassade wirkt wie eine Auge, ein Punkt der vom geschützten Standpunkt Observation und überwachung gewährt. Die Referenz an eine furchtauslösende Architektur bewirkt heutzutage genau das Gegenteil, eine Invertierung der architektonische Bedeutung: Die augenscheinliche überwachung des Außenraums wird also als beruhigend empfunden. Die Architektur bietet in angstvollen Zeiten psychologische Sicherheit gegenüber realen und vermeintlichen Gefahren.

Der Zugang zum Gelände und der Eingang zum Gebäude liegen oberhalb der Wasserkammern. Die Anlage erschließt sich also von der Hangseite. Beim Betreten der Anlage vermittelt sich die Klarheit der achsialen Ordnung. Beidseitig liegen die Wasserkammern wie Kathedralen am Kontrollhaus. Große bodengleiche Fenster gewähren Einblick in den Wasserkammern und ermöglichen eine visuelle Kontrolle des Wassers. In der Achse liegend offenbart der von außen wahrgenommene Sehschlitz ein Panorama mit großartigem Ausblick über die Stadt Zweibrücken und trägt Licht in das Kontrollhaus.

Die Verlegung der Bodenfliesen inszeniert ein Spiel mit Licht, tanzend auf Wasser. Im Verlauf vom hellsten belichteten hin zum abgelegenen Raumbereich wird der Fliesenbelag immer dunkler. Die Wasserflächen der Wasserkammern schließen - bei voller Befüllung nahezu ebenengleich an den Fliesenbelag an.

Das Untergeschoss des Gebäudes wird bestimmt durch die technischen Rohranlagen. Sachlich, nach den technischen Anforderungen geordnet, versorgt der Hochbehälter der Stadtwerke Zweibrücken sicher die Bürgerinnen und Bürger mit Wasser.

Kerstin Molter & Mark Linnemann, August, 2017

Bauherr
Stadtwerke Zweibrücken GmbH
Architektur

Molter Linnemann Architekten BDA
Kaiserslautern

Technik & Tragwerk
CP BERATENDE INGENIEURE GmbH & Co. KG
Spiesen-Elversberg

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